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Für Instrumentalisten: 5 Warnhinweise dass Deine Primärkontrolle nicht optimal funktioniert wenn Du musizierst

Kennst Du den Terminus Primärkontrolle? F.M. Alexander hat diese Bezeichnung verwendet. Er definiert die Primärkontrolle als einen bestimmten Einsatz des Kopf und Nackens in Bezug auf den Rest des Körpers. Wenn die Primärkontrolle gut funktioniert, wirkt diese als eine integrative Kraft, die Leichtigkeit und Bewegungsfreiheit durch den Organismus hindurch bewirkt.

Fehleinsatz der Primärkontrolle weist immer auf einen fehlerhaften Einsatz im übrigen Organismus. Dies resultiert in Muskelverspannung, Erschöpfung oder schlechter Koordination.

 

So spricht Alexander darüber:

 

"I found that in practise this use of the parts, beginning with the use of the head in relation to the neck, constituted a primary control of the mechanisms as a whole, involving control in process right through the organism, and that when I interfered with the employment of the primary control of my manner of use, this was always associated with a lowering of the standard of my general functioning.", The Universal Constant in Living by F.M. alexander (Mouritz, 2000, London), p.8

 

Hier beschreibe ich 5 Warnhinweise auf eine mangelnde Funktion Deiner Primärkontrolle wenn Du Deine Musik am Instrument aufführst oder einstudierst:

 

1. Du bist nach einer Aufführung oder sogar nach dem Üben erschöpft.

Aufführungen können eine große Herausforderung darstellen und manchmal ziemlich nervenaufreibend sein. Der Adrenalinspiegel steigt, und wir möchten unser Bestes geben. Natürlicherweise fühlen wir uns im Nachhinein, wenn die Spannung nachlässt, auf eine oder andere Art müde. Trotzdem braucht eine Aufführung nicht strapaziös zu sein, sie kann uns sogar Energie verleihen.

 

Während des Übens können wir bewusst unsere Energie einsetzen, wir können Pausen nehmen und bewusst mit Warnsignalen umgehen.

 

Falls das Üben und Vorführen anstrengend und erschöpfend sind, ist das Funktionieren deiner Primärkontrolle sehr wahrscheinlich beeinträchtigt.

 

2. Du verlierst die Beherrschung Deiner erworbenen Fertigkeiten.

Das kann sehr frustrierend sein. Du weißt, dass Du die Fertigkeiten besitzt und dass Du sie einsetzen kannst, jedoch scheint dies manchmal außerhalb Deiner Kontrolle zu liegen und lässt sich nicht beherrschen. Die übliche Reaktion darauf ist oft, dass man sich noch mehr anstrengt, obwohl das Ergebnis daraus nicht besser wird.

 

Glücklicherweise gibt es einen Weg, sich der Primärkontrolle bewusster zu werden und zu erkennen, wann diese beeinträchtigt ist. Mit diesem Bewusstsein lassen sich konstruktive und bewusste Veränderungen aus einem Verständnis heraus bewirken. Dadurch wird man letztlich sein eigener Lehrer.

 

3. Du bist so sehr damit beschäftigt, was Du mit Teilen Deines Körpers machst z.B. mit Händen, Füssen oder Stimmorganen, dass Du Dir wenig oder gar nicht dessen bewusst bist, was Du mit dem Rest deines Körpers machst.

Das war einige Zeit ein Problem für mich während meines frühen Cellostudiums. (Bis ich die Alexander Technik kennen lernte.) In der musikalischen Ausbildung wird oft sehr viel Aufmerksamkeit auf die Feinmotorik und das Funktionieren einzelner Körperteile gelegt, wenn es um die Bewältigung technischer Aspekte geht. Tatsächlich gibt es viele Auffassungen, wie man den kleinen Finger oder Daumen der Bogenhand oder die Finger der linken Hand etc. halten soll, ohne jedoch den Organismus als Ganzes zu verstehen.

 

Man kann feinmotorisch sehr geschickt sein und grosse feinmotorische Sensibilität und Geläufigkeit entwickeln. Wenn jedoch die Primärkontrolle nicht optimal funktioniert, wird man Verspannungen in anderen Teilen des Körpers entwickeln, die sich als Schmerzen äußern können. Das Bewusstsein des Funktionierens der Primärkontrolle und des Körpers als eine Einheit ist der Schlüssel zu befriedigenden Ergebnissen im Musizieren.

 

4. Du hast fehlgeleitete Anspannungen, die einhergehen mit Verspannungen oder mangelndem Tonus in anderen Teilen Deines Körpers. Das zeigt sich in z.B. steifem Kiefer, eingeschränkter Atmung, fixiertem Blick oder schweren Armen, Trägheit, Verschlappung.

Ob Du Bewegungseinschränkung, Steifheit in Teilen Deines Körpers oder eingeschränkte Atmung bis zu Schwindel erfährst, sind dies alles Anzeichen dafür, dass Deine Primärkontrolle nicht optimal funktioniert.

 

5. Du erfährst Schmerzen und Ermüdung.

Wenn die Primärkontrolle uneingeschränkt optimal funktioniert, erfährst Du Leichtigkeit und Freiheit in der Bewegung, ein Gefühl des organisierten Funktionieren Deines Organismus als Ganzes und - Freude.

 

Schmerzen und Ermüdung sind Anzeichen dafür, dass Deine Primärkontrolle der Aufmerksamkeit bedarf.

 

Was ist also zu tun, wenn Deine Primärkontrolle nicht optimal funktioniert?

Das Schlüsselwort ist Bewusstsein.

In der Alexander Technik steigerst Du das Bewusstsein für deinen Organismus als Ganzes, so dass Du Beeinträchtigung in der Kopf-Nacken Verbindung und die daraus resultierende Beeinträchtigung durch den Körper erkennen kannst. Mit Hilfe des Lehrers der Alexander Technik kannst Du die Bewegung ohne die gewohnte Beeinträchtigung ausführen und erfährst die Leichtigkeit und Freiheit, die entsteht, wenn die Primärkontrolle gut funktioniert. Durch Wiederholung dieser Erfahrung entwickelst Du einen neuen Standard des Funktionierens, der es Dir ermöglicht zu erkennen, wenn Du mit maximaler Freiheit und Kontrolle spielst, und falls das nicht der Fall ist, kannst Du herausfinden warum und den Störfaktor eliminieren.

 

Faktisch erlangst Du ein Wissen Deines Selbst als Instrument, um die optimale Umsetzung der Musik auf Deinem Instrument zu gewährleisten.

 

Eine sehr gute Übung zur Stärkung der Primärkontrolle ist die regenerative Rückenlage bzw. Semi Supine. Diese Übung hilft der Organisation der Primärkontrolle vor dem Spiel, und nach dem Spiel hilft sie Beeinträchtigungen der Primärkontrolle zu lösen. Lese hier Blog - Artikel zu Semi Supine um mehr darüber zu erfahren.

Anna Schweizer

Alexander Technik Lehrerin und Cellistin